Für die kommende Wahl des Gemeinderats Neustadt und Erlach am Main treten Sandra Hartung, seit vielen Jahren Mitglied des Gemeinderats, und Dirk Ewert, der erstmals kandidiert, gemeinsam an. Im Interview sprechen beide über ihre Motivation, ihre Erfahrungen und ihre Ziele für die Zukunft.

Sandra, du bist bereits seit vielen Jahren im Gemeinderat aktiv. Seit wann genau begleitest du die kommunalpolitische Arbeit?
Sandra Hartung: Ich bin im April 2013 als Nachrückerin in den Gemeinderat gekommen. In den nächsten beiden Perioden war ich im Gemeinderat, so dass ich insgesamt etwa 13 Jahre dabei bin.
In dieser Zeit gab es sicher viele intensive Diskussionen. Welche ist dir besonders in Erinnerung geblieben?
Sandra Hartung: Da gab es einige. Sehr prägend war die Entscheidung für ein neues, modernes Rathaus und der damit verbundene Mut, das alte Rathaus als Immobilie aufzugeben und in die alte Schule zu investieren. Auch die Sanierung unserer Wasserversorgung war ein großes, kontrovers diskutiertes Projekt. Mit vielen Risiken, aber am Ende mit einem tollen Ergebnis. Besonders freut mich, dass wir heute sogar unseren Ortsteil Erlach mit unserem eigenen Naüschter Wasser versorgen können. Und ganz aktuell war natürlich auch das Thema Windpark, das nun endlich zum Wohle der Gemeinde und ihrer Bürger abgeschlossen werden konnte.
Dirk, wenn du auf die Zukunft blickst: Was wünschst du dir vom nächsten Gemeinderat?
Dirk Ewert: Mir sind Transparenz, Bürgernähe und mutige, aber zugleich bodenständige Entscheidungen wichtig. Neustadt und Erlach sollen sich nachhaltig entwickeln: finanziell solide, ökologisch verantwortungsvoll und immer im Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern.
Sandra, was wünschst du dir in diesem Zusammenhang für die kommende Amtszeit?
Sandra Hartung: Vor allem die Fortführung der konstruktiven Zusammenarbeit. Wenn wir gemeinsam sachlich an Lösungen arbeiten, können wir Naüscht und Erli und damit unsere Heimat auch künftig lebenswert gestalten. Ich finde es wichtig, dass unterschiedliche Sichtweisen respektvoll zusammengeführt werden. Genau das schätze ich auch an der Zusammenarbeit mit neuen Kandidaten wie Dirk.
Viele Bürger sehen vor allem die sichtbaren Projekte. Was gehört zur Arbeit im Gemeinderat, das oft im Hintergrund bleibt?
Sandra Hartung: Ein sehr großer Teil der Arbeit ist tatsächlich nicht öffentlich sichtbar. Neben den Projekten gibt es viel Verwaltungstechnisches und auch nichtöffentliche Themen. Bevor ein Tagesordnungspunkt überhaupt öffentlich beraten werden kann, steckt oft eine lange Phase des Einlesens, Abwägens und Vorbereitens dahinter.
Dirk, du hattest angesprochen, dass Dinge aus deiner Sicht manchmal schneller gehen könnten. Was sollte der Gemeinderat künftig anders machen?
Dirk Ewert: Ich wünsche mir, dass wir noch konsequenter vom Reden ins Tun kommen. Projekte sollten zügiger und verlässlicher umgesetzt werden. Außerdem sehe ich Potenzial bei der Bürgerbeteiligung: Anregungen sollten sichtbar nachverfolgt werden, Zuständigkeiten klar benannt und Erfolge wie auch Rückschläge offen kommuniziert werden.
Sandra, siehst du hier ebenfalls Ansatzpunkte für die Zukunft?
Sandra Hartung: Grundsätzlich fand ich die Arbeit des bisherigen Gemeinderats immer sachlich und konstruktiv. Genau diese Art der Zusammenarbeit möchte ich fortführen. Gleichzeitig ist es gut, wenn neue Impulse, wie Dirk sie einbringt, dabei helfen, Abläufe weiterzuentwickeln.
Wenn ihr jeweils ein Projekt nennen müsstet, das euch besonders wichtig ist oder war: Welches wäre das?
Sandra Hartung: Für mich ist das ganz klar die Sanierung der Trinkwasserversorgung. Darauf können wir wirklich stolz sein. Unser eigenes Wasser ist ein hohes Gut, das es unbedingt zu bewahren gilt.
Dirk Ewert: Mein Fokus liegt auf Lebensqualität, nachhaltiger Ortsentwicklung und solider Finanzpolitik. Konkret denke ich zum Beispiel an die Glasfaseranbindung, die Erneuerung des Erlacher Friedhofs oder eine attraktivere Nutzung der Mainufer.
Welche Themen werden den zukünftigen Gemeinderat aus eurer Sicht besonders beschäftigen?
Sandra Hartung: Neben Pflichtaufgaben wie Kläranlage oder Feuerwehr ist mir das soziale Zusammenleben sehr wichtig, für jung und alt. Auch unsere Vereine spielen dabei eine große Rolle, denn sie sind das Rückgrat unseres Dorflebens.
Dirk Ewert: Das sehe ich ähnlich. Lebensqualität, eine zukunftsfähige Infrastruktur, behutsame Innenentwicklung statt Zersiedelung, erneuerbare Energien und der verantwortungsvolle Umgang mit Natur und Wald. All das gehört für mich zusammen. Und ohne Ehrenamt und Vereine funktioniert unsere Gemeinschaft nicht.
Gibt es ein konkretes Anliegen, das ihr gerne voranbringen möchtet?
Sandra Hartung: Ich wünsche mir eine Begegnungsstätte für jung und alt. Einen Ort, an dem Menschen zusammenkommen können.
Dirk Ewert: Genau solche Treffpunkte halte auch ich für sehr wichtig. Auch in den bereits von mir angesprochenen Mainufern sehe ich Potenziale, von denen alle Generationen profitieren können.
Zwei Fragen zum Abschluss: Was schätzt ihr ganz persönlich an Neustadt und Erlach?
Sandra Hartung: Die Menschen, den Fluss, den Wald. Mein Dorf, mein “dehemm”.
Dirk Ewert: Für mich ist es die starke Dorfgemeinschaft, das aktive Vereinsleben und der selbstverständliche Zusammenhalt. Dazu kommen der Main, die Natur und die Ruhe, die beiden Ortsteilen ihre ganz eigene Identität geben.
Und warum ergänzt ihr beide euch als Kandidatin und Kandidat besonders gut?
Sandra Hartung: Dirk ist seit Jahren im Ortsteil Erlach sehr engagiert, leistet viel Ehrenamt und packt an, wenn es etwas zu tun gibt. Er bringt tolle Ideen mit und hat durch seinen Beruf ein gutes Gespür für Zahlen. Ein Mann der Tat mit Blick fürs Wesentliche.
Dirk Ewert: Genau diese Kombination macht es aus: Erfahrung und frischer Blick. Langjährige kommunalpolitische Kompetenz trifft auf neue Perspektiven. Das schafft Vertrauen durch Kontinuität und gleichzeitig die Chance, Bewährtes zu hinterfragen und Neustadt und Erlach offen und zukunftsorientiert weiterzuentwickeln.
Dirk, wenn du in fünf Jahren durch Neustadt oder Erlach gehst: Woran würdest du merken, dass sich dein Engagement gelohnt hat?
Dirk Ewert: In fünf Jahren möchte ich spüren: Neustadt am Main und Erlach sind Orte, an denen man sich gehört fühlt. Wo man sich begegnet, miteinander spricht und gemeinsam entscheidet. Mein Engagement im Gemeinderat hat dazu beigetragen, dass Erlach nicht übersehen wird, dass Ehrenamt Wertschätzung erfährt und dass Politik wieder Vertrauen schafft. Wenn Menschen sagen: „Hier lohnt es sich, sich einzubringen – unsere Gemeinde gehört uns allen“, dann weiß ich: Meine Wahl war mehr als ein Mandat. Sie war ein gemeinsamer Schritt nach vorne.
